Rückblick auf das CommunityCamp Berlin 2013

Was Community-Manager begeistert, interessiert, motiviert oder manchmal verzweifeln lässt – beim CommunityCamp Berlin wurde darüber diskutiert.

Erfolgsmessung, Quantifizierung und Begründung von Social-Media-Engagements standen beim CommunityCamp Berlin (25.–27.10.2013) im Mittelpunkt. Daneben sind viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer um eine bessere Einordnung des Berufsbildes Community- bzw. Social-Media-Manager/in bemüht.

Mit großem Interesse habe ich erstmals das CommunityCamp Berlin besucht und konnte meine Erwartungen bestätigt finden. Nach dem gewohnten Barcamp-Prozedere mit Vorstellungsrunde und Sessionplanung gab es zwischen 11 und 18 Uhr praktisch pausenlos 60-minütige Sessions, Gespräche, Kaffee, Käsekuchen, Fusilli in Champignon-Sauce und Buttons mit Katzengesichtern. Nebenbei tagten Mitglieder des Bundesverbandes Community Management e. V. und wählten einen neuen Vorstand. Location-Gastgeber/Sponsor war die cimdata Medienakademie. Ich habe an beiden Tagen recht viele Sessions besucht, zu den meisten hier nun einige kurze Notizen:

Social-Media-Monitoring für Community-Manager

Man kann bei Google Alerts eine Hand voll Begriffe eingeben oder richtiges Social-Media-Monitoring betreiben. Wesentliche Aspekte stellte dazu Stefan Evertz in einer Session vor. Beim Monitoring mit Bezug auf den europäischen Markt empfiehlt sich derzeit wohl die Nutzung hiesiger Tools (z. B. das aus Luxemburg stammende Talkwalker), da sich der Social-Media-Gebrauch z. B. in Nordamerika und Ostasien bekanntermaßen noch immer ganz anders darstellt als hierzulande.

Location-based Services am Point of Sale

Der jüngste Duden nennt es „standortbezogene Dienste am für die Werbung zu nutzenden Ort, an dem ein Produkt verkauft wird”. Für mich ein leichter Köder, denn ich beobachte seit einiger Zeit, ob Foursquare und Yelp in Deutschland breitenwirksam werden. Und nun boten Nastasja Heuer und Christian Schwinden von Rossmann einen kurzen und interessanten Einblick in ihre Arbeit mit Location-based Services im Einzelhandel. Die anschließende Diskussion fokussierte auf Nutzererfahrungen, Erwartungen von Händlern und Kunden, Umsatzeinflüsse und die Verwendung händlerspezifischer oder unterstützender Apps wie etwa von Netto oder Barcoo.

Erfolgsmessung – Diskussion mit Fanpage Karma

Wie können Unternehmen und Community-Manager den Nutzen ihres Social-Media-Engagements messen? Und welche Werte werden betrachtet? Welche KPIs werden festgelegt? Die Diskussionsrunde mit CommunityCamp-Sponsor Fanpage Karma handelte von konkreter Erfolgsmessung bezogen auf Posts, Tweets, Aktionen, Fans und Follower. Dabei wurde auch deutlich, dass ein Vergleich von Fanpages fast ausschließlich bei Zielgruppengleichheit lohnenswert erscheint.

Der (wahre) Stellenwert von Community-Managern

Der/die durchschnittliche Community-Manager/in ist weiblich, 34 Jahre alt, gilt als Strippenzieherin mit Organisationstalent, hat vor ihrer beruflichen Tätigkeit bereits ehrenamtlich Communities betreut und erledigt regelmäßig fachliche Aufgaben, die über ihren Arbeitsvertrag hinausreichen. Die fiktive „Paula” wurde von Richard Bretzger als personifiziertes Zwischenergebnis einer Umfrage skizziert, die parallel zum CommunityCamp 2013 durchgeführt wurde. Das Endergebnis der Umfrage soll zu einer besseren Charakterisierung des Berufsbildes Community-Manager/in beitragen und Erkenntnisse darüber liefern, wie Community-Manager in Unternehmen integriert sind.

Social-Media-Newsrooms vs. Presseportale

„Das beste Redaktionssystem ist das, das nicht verwendet wird.” Mit wachsenden Anforderungen verändern sich auch Social-Media-Newsrooms und Presseportale. Michael Praetorius zeigte verschiedene Szenarien in denen Social-Media-Aggregatoren wirken und wie sie Nutzer an Plattformen und Netzwerke heranführen können. Auch wurde ein Blick in die Zukunft der Newsrooms gewagt.

Corporate Social Responsibility

Erfahrungsaustausch und Diskussion über Corporate Social Responsibility (CSR) mit Anne Lee Hahn: Einen hohen Stellenwert in der CSR sollte nach mehrheitlicher Meinung die enge Verknüpfung von Unternehmen und der zu fördernden Sache besitzen. Deutlich wurde auch, dass CSR eine grundsätzliche Diskussion anstoßen kann, etwa um die Frage, welche gesellschaftliche Verantwortung Unternehmen im Allgemeinen tragen und inwiefern sie von ihren Mitarbeitern die Wahrnehmung dieser Verantwortung erwarten dürfen. Tipp: Ein CSRcamp 2014 ist in Planung.

Nützliche Tools für Social-Media-Manager

Große Vielfalt der kleinen Helferlein: Monica Zaldivar stellte verschiedene Tools für den Einsatz im Social-Media-Marketing vor – zum Beispiel Buffer, asana, Mention oder teambox. Daneben auch das mir bis dahin nicht bekannte Tomatoes, das Zeiterfassung nach der Pomodoro-Technik ermöglicht und hübsch visualisiert.

Foto-Tipps und -Tools für Social-Media-Manager

Regelmäßig ist man im Social-Media-Marketing mit den Themen Bildbeschaffung, Bildbearbeitung und Nutzungsrechte konfrontiert. Romy Mlinzk hatte hierzu Lösungsvorschläge, Beispiele und Tools im Gepäck. Im Teilnehmerkreis erfreut sich flickr großer Beliebtheit, nicht allein aufgrund der Möglichkeit nach CC-lizenzierten, kommerziell nutzbaren Bildern zu suchen. Auch als zweites Bildarchiv resp. Backup wird flickr recht häufig verwendet, nicht selten in Kombination mit diversen Apps und Desktop-Anwendungen.

Einfluss als digitales Kapital

Daten und Kapital – eine brisante Kombination angesichts aktueller Ereignisse in der Welt. Nach kurzer Einführung unter anderem mit Verweis auf Pierre Bourdieu (ökonomisches, kulturelles und soziales Kapital) zeigte Judith Grohmann wie digitales Kapital auf der Grundlage von Einfluss entstehen kann. Stichwort: Klout. Die Session mündete in einer angeregten Diskussion der Teilnehmer über die allgemeine Bedeutung des Klout-Scores und die grundsätzliche Messbarkeit von Vertrauen.

Social-Media-Monitoring mit Netvibes

Netvibes ist ein Monitoring-Dashboard für Social-Media-Kanäle. Christian de Vries berichtete sehr anschaulich, wie er das Tool bei der Recherche und Aggregation von Blog-Feeds einsetzt. Die Einsatzmöglichkeiten eines guten Dashboards sind meines Erachtens sehr vielfältig und können beispielsweise auch im Bereich Suchmaschinen-Optimierung relevant sein.

Fazit

Beide Tage waren mit außerordentlich interessanten Sessions ausgefüllt. Spannend wurde es auch, wenn sich Diskussionen aus der technischen oder auf das Marketing bezogenen Betrachtung lösten. Insgesamt eine sehr angenehme Barcamp-Atmosphäre, die Lust macht auf eine eigene Session spätestens beim CommunityCamp Berlin 2014. Vielen Dank an alle Organisatoren, Sponsoren und Teilnehmer! Und natürlich hat Charlottenburg bei mildem Herbstwetter auch seinen Teil beigetragen.

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